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Ausgabe 1, Band 15 – März 2026
Die Aktualität Hannah Arendts
Helmut König
Jg. 1950, bis 2017 Professor für Politische Wissenschaft an der RWTH Aachen
I
Bei der Veranstaltung zum 25-jährigen Bestehen von Arendt.net im Mai 2024 habe ich auf die Frage, was denn heute noch von Hannah Arendt aktuell sei, die kurze und pointierte Antwort gegeben: Alles. Diese Antwort halte ich immer noch für richtig. Nach wie vor gilt: Die Beschäftigung mit den Texten von Arendt ist ganz unvergleichlich dazu geeignet, sich nicht nur im vergangenen „Jahrhundert der Extreme“ (Hobsbawm), sondern auch in den Wirren und Verirrungen der Gegenwart einigermaßen zurechtzufinden. Ich wüsste schlechterdings niemanden zu nennen, der mehr an Orientierung und Anregung zu bieten hätte.
Einen ersten Beleg für die fortdauernde Aktualität bietet schon der Blick auf die Themen und Phänomene, mit denen sich Arendt auseinandergesetzt hat. Im Zentrum ihrer Arbeiten steht zweifellos die Erfahrung und Analyse der totalen Herrschaft, in der deutschen wie der russischen Variante, damit unmittelbar verbunden sind die Fragen nach der Geschichte des Judentums, des Antisemitismus, der Gründung des Staates Israel und den dazugehörigen Konflikten. Daraus ergeben sich die geographischen und zeitlichen Schwerpunkte: Die politischen Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts in Deutschland, Europa und Russland, ferner in den USA und im Nahen Osten. Hinzu kommt die Beschäftigung mit theoretischen Grundfragen der Gründung, Logik und Stabilität politischer Ordnungen sowie die Erörterung und Klärung vieler Schlüsselbegriffe der politischen Sprache seit der Antike: Freiheit und Revolution, Pluralität und Politik, Autorität und Vernunft, Verantwortung und Tugend, Macht und Gewalt, Moral und Handeln, Wahrheit und Lüge.
Diese Themen, Regionen und Fragen treiben auch uns in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts noch um, - wer kann das ernsthaft bestreiten? Das gilt schon gar, wenn man bedenkt, dass Arendt nun wirklich als Zeitgenossin wie als Analytikerin eine unvergleichlich hellsichtige Expertin ist, was die Anfälligkeit moderner Gesellschaften für die unterschiedlichsten Formen von Gewaltherrschaft und totaler Herrschaft angeht, - und damit ist sie eine produktive Auskunftgeberin auch für den gegenwärtig mehr oder weniger drohenden und an manchen Orten dieser Welt bereits wieder vollzogenen Übergang in „finstere Zeiten“. Wer wissen will, wie autoritäre bzw. populistische Bewegungen in der Vergangenheit aufgestiegen sind und auf welche Elemente und auf welche Geisteshaltungen in den europäischen Staaten sie sich dabei gestützt haben, findet in Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft einen reichen Fundus von Überlegungen und Analysen dazu. Sie reichen von der verzweifelt nach politischer Stabilität suchenden postrevolutionären Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in Frankreich mit ihren reaktionären und antisemitischen Konvulsionen, die in der Dreyfus-Affäre kulminieren, über die Phänomene der sozialen Desintegration und Atomisierung durch die ungezügelte ökonomische Dynamik des Imperialismus, der die jeweiligen Nationalstaaten nicht mehr gewachsen sind, bis hin zur neuen Staatsform der totalen Herrschaft, deren Wesen im System der Vernichtungslager seine grauenhafteste Äußerungsform findet.
Arendt arbeitet zwei Illusionen heraus, die in der Zwischenkriegszeit allen Demokraten und Anhängern des europäischen Parteiensystems lieb und teuer gewesen sind: 1. Die Illusion, dass prinzipiell alle Staatsbürger „ein aktives Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten nehmen“ (EuU 728) und sich mit ihren Interessen in einer der demokratischen politischen Parteien zureichend vertreten sehen. 2. Die Illusion, dass der indifferente Teil der Bevölkerung, die oftmals so genannte schweigende Mehrheit, politisch neutral und d.h. für totalitäre Bewegungen prinzipiell nicht wirklich anfällig ist.
Gewiss: Die Verhältnisse haben sich seit Arendts Zeiten überall rapide und häufig sehr unerwartet geändert. Arendt hat selber immer wieder davor gewarnt, blind zu werden für das Auftauchen neuer Phänomene, indem man sie auf Altbekanntes zurückführt und sie vorschnell als Wiederkehr des Gleichen versteht. Nun ist es aber schlicht so, überraschend und schockierend zugleich, dass z. B. ihre Überlegungen zur Gründung und zu den Erfolgsaussichten des jüdischen Staates Israel tatsächlich von ganz und gar ungeminderter Aktualität sind und wirken, als wenn sie heute geschrieben worden wären und nicht vor mehr als fünfzig Jahren.
Aber selbst dort, wo ihre Themen nicht mehr die unsrigen und unsere Themen nicht die ihrigen sind, wie etwa beim Klimawandel oder den Pandemien, - selbst dort gilt, dass Arendt nach wie vor überaus anregend ist. Zwar haben die Krisenlagen der Gegenwart eine vielfach veränderte Gestalt, aber es ist unübersehbar, dass in weiten Teilen der Bevölkerung die Reaktionen auf die Zumutungen mentaler und materieller Art, die damit verbunden sind, eine auffällige Ähnlichkeit aufweisen mit den Reaktionen, wie Arendt sie für das 19. und 20. Jahrhundert beschrieben hat: die nachlassende Integrations- und Überzeugungskraft der bis vor kurzem noch als stabil geltenden liberalen Demokratien; die schwindende Bindekraft der politischen Parteien des liberal-demokratischen Spektrums; der grassierende Verlust an geistigen Orientierungen und die zunehmende Unwilligkeit und Unfähigkeit, zwischen Fiktion und Realität noch einen Unterschied zu machen; das lustvoll-pöbelhafte Herbeisehnen von Untergang, Misslingen und Scheitern; die Vorherrschaft von Übellaunigkeit, Misstrauen und Groll, die sich in völlig aberwitzigen Verschwörungsfantasien niederschlagen; die eigentümliche Mischung aus haltloser Wut und abgründiger Angst; das Streben nach Zugehörigkeit um jeden Preis, das so übermächtig ist, dass es lieber seine Zuflucht bei Fiktionen sucht als frustrierende Tatsachen wachen und sehenden Auges zur Kenntnis zu nehmen.
II
Man müsste die Analysen und Beschreibungen von Arendt natürlich im Detail neben Zustandsbeschreibungen der Gegenwart legen, um Ähnlichkeiten und Unterschiede präziser herausstellen zu können. Ganz unabhängig von den Ergebnissen einer solchen Betrachtung ist es nun aber auch so, dass die Art und Weise, wie Arendt denkt und wie sie politische Phänomene beschreibt und beurteilt, von grundlegender Bedeutung geblieben sind.
Arendts Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf einzigartige Weise die Beschreibung aktueller politischer Phänomene zu grundlegenden Gesichtspunkten politischer Ordnung und politischen Handelns in Beziehung setzen. Immer folgt Arendt der Maxime, dass es darum geht, der Gegenwart ohne alle Scheuklappen zu begegnen, und das bedeutet, sich über sie im Licht vergangener Erfahrungen und eingeführter Begriffe des politischen Denkens zu verständigen, ohne sich dabei im Zaubergarten metaphysischer und weltabgewandter Wahrheiten zu verirren. Politische Ereignisse zu verstehen und zu beurteilen, beruht nicht auf der Anwendung einer Theorie, es beruht auch nicht auf einem mehr oder weniger technisch verstandenen Abgleichen zwischen Begriffen und Erfahrungen, sondern zeichnet sich dadurch aus, dass es bereit ist, vorwärts in die Zukunft und rückwärts in die Vergangenheit zu gehen, sich hin und her zu bewegen zwischen ambitionierten Begriffen und unmittelbarer Wahrnehmung, auch vorbegriffliches Erzählen und Dichten einzubeziehen und die unterschiedlichsten Perspektiven aufzugreifen.
Es gibt auffällig wenig Textpassagen, in denen Arendt eigens darüber Rechenschaft gibt, wie sie arbeitet, schreibt, analysiert und urteilt, - also darüber, was sie tut, wenn sie zu politischen Ereignissen Stellung nimmt oder sich mit abstrakten Begriffen und Konzepten des politischen Denkens aus der Geschichte des Abendlandes auseinandersetzt. Der Grund dafür liegt darin, dass ihr Fragen der Methode nie zum Problem wurden, dass es ihr ganz selbstverständlich und sozusagen ihr Naturell war, so zu verfahren, wie sie es tat. Das Vorwort zur Aufsatzsammlung Zwischen Vergangenheit und Zukunft ist einer der wenigen Texte, in denen sich Arendt dazu äußert, von welchen Prinzipien sie sich leiten lässt und wie sie ihre Texte verstanden wissen möchte. Die Essays, die sie in diesem Sammelband vorlegt, liefern in ihren Augen nicht fix und fertige Denkergebnisse und Arbeitsresultate, die man getrost nach Hause tragen kann, um sich aus ihnen ein probates Weltbild zurecht zu zimmern. Sie sieht in ihnen vielmehr „Übungen im politischen Denken“, deren zentrales Ziel ist, „Erfahrungen darin zu erwerben, wie man denkt“ (VL 18, HiT). Diese Äußerung, die sich an Ort und Stelle auf die im Sammelband abgedruckten Aufsätze bezieht, darf getrost für alle ihre Texte Gültigkeit beanspruchen. In einem Fernsehgespräch mit dem Journalisten Roger Errera aus dem Jahre 1973 sagt sie ganz in diesem Sinn: „Es gibt keine gefährlichen Gedanken – aus dem einfachen Grund, weil das Denken selber ein solch gefährliches Unterfangen ist.“ (FE 125)
Die wichtigste Bedingung für die Produktivität des Denkens besteht darin, dass es immer von der Wirklichkeit ausgeht und auf sie bezogen bleibt, sonst wird es sinnlos und erzeugt nur „alte Wahrheiten, die allen konkreten Bezug verloren haben“ (VL 10). Denken ist nicht rechnen und es besteht nicht darin, Schlussfolgerungen aus feststehenden Prämissen oder Daten zu ziehen. Denken erwächst „aus Geschehnissen der lebendigen Erfahrung“ und muss „an sie als die einzigen Wegweiser, mit deren Hilfe man sich orientiert, gebunden bleiben“ (VL 18). Gerade weil die abendländischen Traditionsbestände, die früher die verbindliche übergreifende Kontinuität über alle Brüche hinweg sicherstellen konnten, ihre Kraft eingebüßt haben, müssen wir uns ganz neu in unserer Gegenwart zurechtfinden, und das einzige Mittel, das uns dazu zur Verfügung steht, ist das Denken.
Mit dieser Aussage bezieht sich Arendt auf die Erfahrung der totalen Herrschaft, die die Kontinuität der Tradition zerrissen, eine nie dagewesene Staatsform und eine nie dagewesene Barbarei in die Welt gesetzt hat und die deswegen auch mit den gewohnten und geläufigen politischen Begriffen nicht mehr angemessen verstanden werden kann. Es kommt also darauf an, sich den neuen Phänomenen mit neuen Begriffen und Darstellungsweisen zu nähern und ihre neue Qualität zu verstehen. Im Falle der mit furchtbaren Schrecken verbundenen totalen Herrschaft darf das Begreifen nicht dazu führen, „das Ungeheuerliche zu leugnen, das Beispiellose mit Beispielen zu vergleichen oder Erscheinungen mit Hilfe von Analogien und Verallgemeinerungen zu erklären, die das Erschütternde der Wirklichkeit und das Schockhafte der Erfahrung nicht mehr spüren lassen.“ (EuU 42) Begreifen bedeutet vielmehr, „sich aufmerksam und unvoreingenommen der Wirklichkeit, was immer sie ist oder war, zu stellen und entgegenzustellen“ (EuU 43).
Wie wichtig die Einsicht ist, dass eine reine Geistes- und Begriffsgeschichte gegenüber den Ereignissen und Tatsachen so rasch zu Blindheit führt, betont Arendt erneut bei ihrer Auseinandersetzung mit der Ungarischen Revolution des Jahres 1956. Gerade bei einem derart herausragenden Ereignis ist es für sie unabdingbar, dass unser Wissen und unsere Theorien sofort „in seinem Licht kontrolliert und korrigiert werden“ (ES 345). Nur „aus dem, was geschieht und sich ereignet“, können wir „Politik lernen“, „eine andere Lehre gibt es nicht“ (UR 472). Das beinhaltet auch die Konsequenz, der Sprache der handelnden Akteure mehr Gewicht beizumessen als der Sprache, mit der die theoriegeschulten Beobachter an die Phänomene herangehen: „Wenn die, welche kämpften, aus der Intensität des Kampfes heraus meinten, dass sie gegen einen Imperialismus kämpften, so muss die politische Wissenschaft das akzeptieren, wiewohl sie vielleicht – aus begrifflichen wie geschichtlichen Gründen – den Terminus ‚Imperialismus‘ sich lieber vorbehalten hätte, um mit ihm jene Epoche kolonialer Expansion Europas zu bezeichnen, die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begann und mit der Liquidierung der englischen Herrschaft über Indien endete. So aber bleibt uns nichts übrig als dem nachzugehen, was es mit diesem ‚Imperialismus‘, wie er sich aus der totalen Herrschaft entwickelt hat, auf sich hat.“ (UR 473)
III
Bei der Beschäftigung mit tyrannischen Herrschaftsformen und deren Übergang in die totale Herrschaft stößt Arendt auf das Phänomen, dass die Lüge eine bis dahin nicht gekannte politische Bedeutung bekommen hat. Der Erfolg der totalen Herrschaft hängt davon ab, ob und wie weit sie erfolgreich darin ist, die privaten und öffentlichen Kommunikationswege zu zerstören und sie durch Propaganda und Indoktrination zu ersetzen. Wenn es dann auch noch gelingt, die äußere Unterdrückung durch das „ideologische Sich-selbst-zwingen im Inneren des Menschen“ (UR 455) zu ergänzen, ist die für die normale Orientierung in der Welt elementare Fähigkeit der Unterscheidung zwischen Lüge und Tatsachen tiefreichend erschüttert.
Nach Arendt haben wir die große Bedeutung der Lüge und der Verwandlung der Wirklichkeit in eine fiktive Welt, die für die totale Herrschaft charakteristisch ist, noch nicht wirklich erkannt. In den seit der Antike geläufigen Unterscheidungen verschiedener Staats- und Politikformen spielte das Phänomen der Lüge keine Rolle, und wir halten hartnäckig an diesen herkömmlichen Seh- und Analysegewohnheiten fest. Arendts Sorge ist, dass die politisch verstandene Freiheit in der Epoche totaler Herrschaft aus den Köpfen und Herzen der Menschen ganz und gar verschwindet und die Freiheit dann nur noch in der überaus verheerenden Äußerungsform überlebt, die sie in der Lüge annimmt.
Unübersehbar ist, dass heute beim Übergang der USA in die Autokratie eines über den Gesetzen stehenden Sonnenkönigs das Phänomen der geradezu inflationär gebrauchten Unwahrheiten eine der frappierenden Begleiterscheinungen darstellt. Während Arendt die Auffassung vertrat, dass die Lügenpraxis der totalen Herrschaft im Hintergrund stets den Glauben an eine umfassende Ideologie benötigt, lehrt uns die Gegenwart etwas Anderes. Was wir heute sehen, ist, dass es dazu einer geschlossenen Ideologie mit der Behauptung absolut geltender Wahrheiten nicht mehr bedarf. Es reicht die diffuse Sehnsucht nach einem allmächtigen Herrscher, der uns zu alter Größe zurückführt. Dazu braucht es keine Ideologie, die für sich immerhin eine (pseudo-)wissenschaftliche abgesicherte Kenntnis der Vergangenheit und der Zukunft in Anspruch nimmt, dazu reichen Märchenerzählungen und ein infotainment, das möglichst alternativlos und rund um die Uhr in den diversen Kommunikationskanälen das Volk ruhigstellt und bei Laune hält. Wie lange das so bleibt, kann gegenwärtig niemand sagen. Aber dass über die USA (und Russland) hinaus überall auf der Welt der Wille wächst, sich durch so etwas Unwichtiges wie Tatsachen nicht mehr stören zu lassen, ist vielleicht dasjenige, was am deutlichsten das gegenwärtige Zeitgeschehen charakterisiert. Die Errichtung einer „fiktiven Welt, die aus Lügen erbaut ist und auf einer prinzipiellen Leugnung der Faktizität als ihrem Fundament beruht“ (ES 356f), könnte Konsequenzen haben, die weit über autoritäre und tyrannische Staatsformen hinaus unsere Stellung in der Welt betreffen und damit auch die grundsätzliche Frage nach den Möglichkeiten und Chancen einer vernünftigen Politik.
IV
Es gehört zur Kehrseite der Freiheit vom Jargon, die Arendts Texte auszeichnet, dass sie so leicht missverstanden werden können. In der Tat ist es ja so, dass immer noch die verrücktesten Ansichten über das, was sie angeblich gesagt hat, im Umlauf sind, insbesondere über jene Texte, die, wie Eichmann in Jerusalem, eher ein Bericht sind als eine hoch gelehrte philosophische Abhandlung. Viele Texte von Arendt kommen sofort zur Sache, sie verzichten aufs Imponiergehabe und auf die große Geste, sie bieten keine Begriffsdefinitionen, sie erscheinen oftmals weder als besonders tief noch als besonders bedeutungsvoll, sie erzählen Geschichten und interpretieren Parabeln, manchmal sind sie alltagssprachlich und beinahe schnoddrig formuliert. Offenbar laden gerade solche Texte dazu ein, der Autorin alle möglichen skandalisierbaren und abwegigen Ansichten zu unterstellen. Das gilt zum Beispiel für die Aussage Arendts, dass Eichmanns Defekt nicht so sehr in einem fanatischen Antisemitismus bestand als darin, dass er unfähig war zu denken.
Für die Lektüre der Texte von Arendt ist es gut, das Prinzip zu beherzigen: So einfach verstehen, wie es geht, aber auch nicht einfacher. Dafür ist es immer hilfreich, wenn man versucht, die Aussagen Arendts zu erzählen, sie zusammenzufassen und die Kernbehauptungen festzuhalten. Man macht dann oft die Erfahrung, dass das gar nicht geht. Man muss sich in das Bezugsgewebe der Begriffe hineinbegeben, in dem sich Arendt bewegt. Jeden einzelnen dieser Begriffe verstehen wir nur, wenn wir ihre Stellung und Bedeutung in diesem Bezugsgewebe, in dem sie sich gegenseitig erhellen, verstehen. In jedem Gespräch, das wir auf diese Weise mit Arendt führen, erfahren wir ihre Aktualität.
Zitierte Literatur von Hannah Arendt
Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, herausgegeben von Thomas Meyer. Mit einem Nachwort von Jens Hacke, München 2023 (EuU).
Die Entwicklung des Sowjetblocks, in: Vorträge und Aufsätze 1951-1960, herausgegeben von Thomas Meyer. Mit einem Nachwort von Florian Grosser, München 2005 (ES).
Die Ungarische Revolution und der totalitäre Imperialismus, in: Vorträge und Aufsätze 1951-1960, herausgegeben von Thomas Meyer. Mit einem Nachwort von Florian Grosser, München 2025 (UR).
Vorwort: Die Lücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, in: Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Übungen im politischen Denken I, herausgegeben von Ursula Ludz, München 1994 (VL).
Fernsehgespräch mit Roger Errera, in: Ich will verstehen. Selbstauskünfte zu Leben und Werk, herausgegeben von Ursula Ludz, München/Berlin/Zürich 2016 (FE).
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